Modell Energie-Flecken Duingen

„Integriertes Quartierskonzept“
– Modell Energie-Flecken Duingen

Die Samtgemeinde Leinebergland und der Landkreis Hildesheim entwickeln gemeinsam mit Unterstützung der Ostfalia Hochschule (Fakultät Versorgungs-technik, Wolfenbüttel), dem Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser und der Klimaschutzagentur Hildesheim-Peine ein „Integriertes Quartierskonzept“ zur schrittweisen Erlangung größtmöglicher Energie-Autarkie einer ländlichen Gemeinde auf Basis eines nachhaltigen Energie-Managements. Das Besondere: Bürger, Verwaltung und Industrie verfolgen gemeinsam das Ziel maximaler CO2-Einsparung!

Warum gerade Duingen?

Bereits im Jahr 2006 startete die ländlich geprägte Samtgemeinde Duingen im Landkreis Hildesheim ins Energiewende-Zeitalter. Erster Schritt war die Idee, Duingen an die Biogasanlage in Hoyershausen anzuschließen. Schon 2010 wurde sie umgesetzt: Die Biogasanlage betreibt in Duingen zwei Blockheiz-kraftanlagen mit je 300 kW, die bereits das Schwimmbad mit Pottlandsauna, die Grundschule, die Oberschule mit Sporthalle, das Jugendzentrum und das Rathaus versorgen. Im Jahr 2009 wurden die Dächer der Grundschule sowie der Oberschule mit Photovoltaikmodulen belegt.

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Biogasanlage in Hoyershausen Blockheizkraftwerk Duingen


Auch schon Realität in Duingen: Energie anbauen

Die Landwirtschaft kann Getreide, Mais, Raps, Gemüse anbauen – oder auf kargen Böden schlicht Solarenergiefelder anlegen.

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In Duingen steht auf 40.000 qm Fläche seit 2014 die Photovoltaikanlage mit einer Gesamtleistung von 2.250 kWp. Mit einer spezifischen Jahresleistung von 2.100 MWh deckt sie den jährlichen Durchschnittsverbrauch von rund 600 Einfamilienhäusern bei einer CO2-Ersparnis gegenüber konventionellen Stromerzeugern von ca. 1800 t/Jahr.

Gemeinsam für Duingen und den Klimaschutz

Die Mitte von Duingen bildete bis 2009 das brachliegende Eisenbahngelände.

Die Gedanken zu dessen Bebauung gaben den Anstoß, etwas völlig Neues zu gestalten. Es ging nicht nur um Marktplatz, Parkanlagen, Arztpraxen, Senioren-Residenzen, sondern auch um energetische Vernetzung – zunächst innerhalb des neu geschaffenen Stadtkerns und des angrenzenden Wohngebiets mit öffentlichen Gebäuden wie Rathaus, Schule und Schwimmbad.

quartierLageplan der einzelnen Wohn- und Gewerbegebiete in Duingen: der neu gestaltete Ortskern (B), das nord-östliche gelegene Neubaugebiet (A), das süd-östlich gelegene Gewerbe- und Industriegebiet (C), das süd-westlich angeordnete 1960er-Jahre-Wohngebiet (D) sowie das an den Ortskern angrenzende Wohngebiet E mit Schule und Schwimmbad aus den 1980er Jahren.

Das KfW-Programm 432 fördert integrierte Quartierskonzepte für energetische Sanierungsmaßnahmen mitsamt den Lösungen für Wärmeversorgung, Energie-Gewinnung, -Speicherung und -Einsparung. Dabei werden städtebauliche, denkmalpflegerische und sonstige baukulturelle, wohnungswirtschaftliche und soziale Belange ebenso berücksichtigt wie alle im Quartier bestehenden technischen und wirtschaftlichen Einsparpotenziale. An der Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen beteiligen sich sowohl private Haushalte, die Industrie wie auch die Gemeinde. Das ehrgeizige Modellprojekt will letztendlich zu 100 Prozent autarker, regenerativer Energie-Erzeugung kommen.

Jeder soll vom integrierten Quartierskonzept profitieren

Alle knapp 3.000 Einwohner und alle rund 900 Ein- und Mehrfamilienhäuser auf einer Fläche von etwa 155 ha werden schrittweise in das Quartierskonzept einbezogen und können Vorteile aus den Projektergebnissen erzielen.

Beitrag eines Duinger Unternehmens: Wärme-Rückgewinnung

Ins energetische Konzept integriert werden soll Duingens größter Arbeitgeber im Quartier: Die Backwarenfabrik „Kuchenmeister“. Die beim Backen in großen Durchlaufbacköfen entstehende Abluft aus feuchter, fett- und staubhaltiger Heißluft gelangte bisher über den Schornstein in die Umwelt, zusätzlich mit erheblicher Geruchsbelästigung verbunden. Eine innovative Filteranlage mit Wärmerückgewinnung macht die Abluft geruchsneutral und kann zugleich Nahwärme für die gesamte Ortschaft bereitstellen.

Alles technisch und wirtschaftlich Machbare zur CO2-Reduktion einsetzen

Darum geht es! Die Energiebereitstellung für jedes Wohnhaus, jedes öffentliche Gebäude und die ortsansässige Industrie soll mit regenerativen Energien (z.B.  Wasser- und Windkraft, Sonne, Geothermie und Biomasse) erfolgen. Schrittweise zu erreichendes Fernziel ist es, alle Gebäude Duingens in das Quartierskonzept zu integrieren. Dazu bedarf es eines auf regenerative Energien und Energieeffizienz ausgerichteten Sanierungskonzeptes, welches in Kooperation mit der versorgungstechnischen Fakultät der Ostfalia Hochschule entwickelt wird.

Immer weiterentwicklungsfähig

Im Rahmen der Entwicklung des Pilotprojektes in Duingen soll die Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit aller regenerativen Energiequellen geprüft werden. Mit der Energiegewinnung aus Biomasse begann der Einstieg in die Nutzung regenerativer Energien, es folgte die Solartechnik in Form von Photovoltaik-Anlagen. Über die Nutzung von industrieller Abwärme sollen weitere Potenziale genutzt werden. Duingen will die jeweiligen Verfahrensvorteile nutzen und in sein Quartierskonzept integrieren. Und es stehen schon weitere Forschungsgebiete der Fakultät Versorgungstechnik der Ostfalia Hochschule auf der Agenda „Integriertes energetisches Quartierskonzept“: neben den bekannten Technologien regenerativer Energieversorgung geht es dann auch um die vielfältigen Möglichkeiten der Wasserstofferzeugung, -speicherung und Umsetzung in Wärme oder Strom – Stichwort Brennstoffzelle.

„Just DU it, Duingen!“

Präsentation zum intergrierten Quartierskonzept

Projektpartner